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2 Glaubenssätze, die Deinen Beziehungen schaden

  • Autorenbild: Jessy Loranger
    Jessy Loranger
  • 13. Apr.
  • 5 Min. Lesezeit
Engagement in einer Beziehung

Heutzutage werden in vielen Ansätzen, die persönliche und spirituelle Entwicklung versprechen, zahlreiche Glaubenssätze wahllos verbreitet. Manche davon sind so erfolgreich, dass sie fast jedem bekannt sind und von fast jedem wiederholt werden, der sich in diesen Kreisen bewegt.


Hier möchte ich mich mit zwei bestimmten Glaubenssätzen befassen, die den Bereich der Beziehungen (ob partnerschaftlicher, freundschaftlicher oder anderer Art) betreffen und die auf den ersten Blick gut oder sogar „hochstehend“ klingen, letztendlich aber mehr schaden als nützen.


So akzeptiert zu werden, wie man ist


Erstens, dass man vom anderen so akzeptiert werden sollte, wie man ist. Ich verstehe und stimme der Vorstellung zu, dass jeder von uns einen inneren Wert hat und es verdient, geliebt zu werden. Zu sagen, man solle von dem Menschen, mit dem man sein Leben teilen möchte, genau so akzeptiert werden, wie man ist, ist jedoch irreführend. Das klingt so, als bräuchte man keine innere Arbeit zu leisten, sich nicht zu verbessern und sich keine Mühe geben, um die Beziehung so angenehm wie möglich zu gestalten: „Ich bin nun mal so, der andere muss das akzeptieren!“ Das ist nicht wahr. Als Therapeut, dessen Aufgabe es ist, Menschen dabei zu helfen, sich zum Besseren zu verändern, kommt es mir sehr seltsam vor zu sagen, man solle so akzeptiert werden, wie man ist!


Wir alle tragen emotionale Verletzungen in uns, die zu weniger als perfekten Einstellungen und Verhaltensweisen führen. So wie wir sind, lässt sich damit in der Regel keine harmonische und gleichberechtigte Beziehung auf Dauer führen: Dafür muss man an sich arbeiten, sich Mühe geben.


Tatsächlich gibt es nur eine einzige Phase in unserem Leben, in der es legitim ist, zu erwarten, dass man genau so akzeptiert und aufgenommen wird, wie man ist, ohne sich dafür Mühe zu geben: vom Beginn unseres Daseins bis etwa zum Alter von zwei Jahren. Schon ein dreijähriges Kind muss sich bemühen, um sozial akzeptiert zu werden, zumindest von den anderen Kindern. Im Erwachsenenalter, so akzeptiert zu werden, wie man ist – ohne Bemühungen – ist es in der Regel nur bei Menschen möglich, die man nicht oft sieht und die nicht an gemeinsamen Projekten mit uns beteiligt sind, und selbst dann ist es nicht unbedingt selbstverständlich, je nachdem, wie man ist.


Es ist daher wichtig zu erkennen, dass dieser Wunsch tatsächlich von unserem verletzten inneren Kind stammt, jenem Teil in uns, der zu Beginn unseres Lebens diese bedingungslose Akzeptanz gebraucht hätte, sie aber nicht erfahren hat. Der phänomenale Erfolg dieses Glaubenssatzes spricht Bände darüber, wie häufig diese Kindheitsverletzung in der Gesellschaft vorkommt.


Man sollte keine Erwartungen haben


Der zweite Glaubenssatz ist, dass man keine Erwartungen an andere haben sollte. Das klingt zwar erstmal fast wie das Gegenteil des ersten Glaubenssatzes, aber nur auf den ersten Blick: Wenn man etwas genauer hinschaut, erkennt man, dass es eigentlich in die gleiche Richtung geht.


Die Idee dahinter ist in der Regel, dass man offen bleiben sollte für das, was das Leben und andere uns bringen, ohne sich auf bestimmte Wünsche festzulegen; so wird man vom anderen nicht enttäuscht oder frustriert, kann alles annehmen und stets gelassen bleiben. Ich verstehe das. Es ist eine schöne Idee, oder besser gesagt, ein schönes Ideal. Nur ist es nicht realistisch, jedenfalls nicht ohne wichtige Nuancierungen und nicht in den Beziehungen, auf die man sich gerne verlassen möchte.


Persönlich habe ich noch nie jemanden das sagen hören, der gleichzeitig in seinen nahen Beziehungen glücklich wirkte. Im Allgemeinen scheint bei denen, die mir diesen Glaubenssatz mit Überzeugung vertreten haben, das Ziel einer solchen Haltung – neben dem Gefühl moralischer Überlegenheit – darin zu bestehen, die Schuld für ihre Beziehungsschwierigkeiten auf andere abzuwälzen und sich von der Verantwortung zu entlasten, sich für ihre Beziehungen oder für andere zu bemühen. Hier zeigt sich die Ähnlichkeit mit dem ersten in diesem Artikel besprochenen Glaubenssatz. Tatsächlich erkennt man auch hier das sehr junge, verletzte innere Kind, das nicht hätte die Erwartungen seiner Eltern erfüllen müssen, um Liebe zu erhalten.


Doch als Erwachsener äußert sich diese Verletzung in Aussagen wie: „Es ist die Schuld des anderen, wenn er nicht glücklich ist; wenn die Beziehung schwierig ist, dann liegt es daran, dass er Erwartungen hat – ich habe keine.“ Was für eine schöne Illusion, die häufig bei denen zu finden ist, die sich gern einen Anschein spiritueller Größe geben. Erwartungen hat man immer, und sie beeinflussen unser Verhalten, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht.


Offensichtlich sollte man nicht erwarten, dass der andere jederzeit beliebige Erwartungen erfüllt – das wäre ebenfalls ein Rezept für ein Beziehungsdesaster. Der Schlüssel zu gelingenden Beziehungen liegt vielmehr darin, Verantwortung zu übernehmen, indem man sich zunächst seiner eigenen Erwartungen bewusst wird (die anfangs manchmal selbst für einen verborgen sind) und sie dem anderen klar kommuniziert. Es geht nicht darum, den anderen unter Druck zu setzen, damit er diese Erwartungen erfüllt, sondern darum, eine gesunde Kommunikation darüber aufzubauen, um dies überhaupt erst möglich zu machen und schließlich ein gemeinsames Verständnis darüber zu finden, was jeder sich wünscht und was jeder in die Beziehung einbringt. All das sollte gegenseitig und ergänzend sein.


Dort, wo das Konzept, keine Erwartungen haben zu sollten, wirklich eine interessante und konstruktive Bedeutung bekommt, ist in der Art und Weise, wie unsere Erwartungen erfüllt werden. Hier gilt es tatsächlich, offen, ko-kreativ und flexibel zu sein, bereit, sich überraschen zu lassen und sich anzustrengen. Wieder geht es darum, Verantwortung zu übernehmen.


Je persönlicher und bedeutender eine Beziehung ist, desto tiefer sind naturgemäß die Erwartungen und Bedürfnisse, und desto notwendiger ist es, sie zu klären und angemessen zu integrieren. Wenn man zum Beispiel eine Reise macht oder jemanden zum ersten Mal trifft, bleiben die Erwartungen sehr allgemein, und es ist viel leichter, offen für das zu sein, was kommt. Es ist auch einfacher, ruhig zu bleiben, wenn Erwartungen und Bedürfnisse nicht erfüllt werden, da es sich um etwas Vorübergehendes handelt und man noch nicht viel investiert hat. In solchen Situationen ist es sogar möglich, die Illusion aufrechtzuerhalten, keine Erwartungen gehabt zu haben.


Wenn die Beziehung jedoch intimer ist und wir vor allem etwas mit dem anderen aufbauen wollen – eine Freundschaft, ein gemeinsames Leben, eine Familie oder sogar ein berufliches Projekt –, dann ist es entscheidend, in Bezug auf unsere Erwartungen sowohl uns selbst als auch dem anderen gegenüber klar zu sein. Sobald wir etwas entwickeln wollen, gibt es Erwartungen; das ist normal und gesund, denn sie geben unseren Vorhaben eine Richtung.



Du hast sicher verstanden, dass die beiden hier besprochenen falschen Glaubenssätze – nämlich die Vorstellung, man müsse so akzeptiert werden, wie man ist, und die, man dürfe in Beziehungen keine Erwartungen haben – beide darauf abzielen, die Illusion zu erzeugen, man müsse sich in seinen Beziehungen nicht bemühen. Deshalb schaden diese Glaubenssätze deinen Beziehungen, denn das ist natürlich sehr trügerisch und entspringt dem verletzten Kind, das wir alle in uns tragen. Zudem führt es meist zu viel mehr Schwierigkeiten und (unfreiwilligen) Bemühungen, als wenn wir uns von Anfang an die Mühe machen würden, unsere Rolle als Erwachsene in all unseren Beziehungen vollständig anzunehmen. Um das jedoch zu tun, ist es selbstverständlich notwendig, unser inneres Kind zu verstehen, anzunehmen und zu beruhigen – genau das ist das Ziel der Therapie!

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